Dienstag, 28. August 2012

Ein Zitat von Henri de Lubac aus seinem Buch Glaubensparadoxe ( Johannes Verlag Einsiedeln, zweite Auflage, 2005. Seite 16 ) hat mich besonders angesprochen, denn es spricht von einer Erfahrung die ich  immer wieder gemacht habe: Die existentiellen Fragen des Daseins - die für mich immer Sinnfragen sind - reichen in tiefere Schichten hinab, als die Antworten die wir geben können. Wirkliche Erkenntnis ist immer Gnade, und nicht menschliches Vermögen.

"In allen wesentlichen Fragen ist der Einwand immer leichter als die Antwort. Der tierische Mensch macht sich stets leichter verständlich als der geistliche, und selten mangeln ihm die nötigen Schliche und Spitzfindigkeiten, um als der gescheitere der beiden zu erscheinen. Eben diese Gescheitheit ist mir bei dornigen Fragen verdächtig, diese Klarheit bei geheimnisvollen Dingen, dies fix zuhandene Wort, wo Nachdenken, Forschen am Platz wäre..., diese ganze Art von Gescheitheit bei Fragen, vor denen ein wirklich großer Mensch zuallererst seine Verlegenheit fühlen sollte."

Donnerstag, 26. Juli 2012

"Angst vor dem Beten:  Ist es Angst vor Selbsttäuschung oder vor Wahrheit? Angst vor psychologischen Komplikationen oder Angst vor Gott. Vielleicht gar gleichzeitig Angst sich zu finden und sich zu verlieren?"

"Wenn Gott fernrückt, problematisch, unwirklich wird, kann es heilsam sein, mit der Einbildungskraft dieses Gefühl bis zur Grenze vorzutreiben: dann wird auch die von Gott beraubte Welt ihrerseits so unwirklich erscheinen, dass die Situation von selber umschlägt."
( Henri de Lubac - Glaubensparadoxe )

Donnerstag, 19. Juli 2012

Kurze Info

Der neue Untertitel drückt sehr schön mein Empfinden aus, seit fast drei Jahren Katholisch zu sein, und sich dennoch nicht heimisch zu fühlen. Ich habe neben der Innenperspektive immer noch auch die Außenperspektive zu meiner Kirche, der ich mich aller Gespaltenheit zum Trotz, gleichwohl zugehörig fühle.
Es ist eben nicht so einfach. Das Gefühl noch nicht heimisch zu sein bildet eine starke Motivation für mich, eigene Texte zu veröffentlichen. Vielleicht hat so gesehen, eben alles auch sein Gutes.

Das Kreuz

Gott Jesus bat nicht darum eines grausamen Todes sterben zu dürfen. Im Gegenteil, er bat den Vater darum, der Kelch möge an ihm vorübergehen. Es spricht für sein Menschsein, dass er darum bat, und es spricht für sein Gottsein, dass er sich gefügt hat. Christus hat sich nicht gegen den Willen seines Vaters aufgelehnt, sondern sich ganz in die Hände der Menschen ausgeliefert. Man bedenke: Der Gottmensch Jesus ist ja immer auch der in Ewigkeit geborene Sohn. Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. Konnte Christus somit überhaupt anderer Meinung sein als der Vater, mit dem er eines Wesens ist?  Aus freien Stücken - und das ist wichtig zum Verständnis, warum ein angeblich grausamer Gott seinen Sohn eben nicht voller Heimtücke hat abschlachten lassen - hat er sich gefügt. Ich bin sicher, dass Gott sein Heilswerk auf vielerlei Weise hätte realisieren können, aber Gott ließ den Menschen ihre Freiheit und ließ den Dingen ihren Lauf, um im Zuge der Ereignisse sein Heilswirken zu realisieren. Wusste Jesus im Garten Gethsemane davon was ihm blüht, ich meine, auf welche Weise er zu Tode kommen wird? Hatte er in seiner menschlichen Inkarnation gewissermaßen "Zugriff auf alle Infos"? War ihm wohl bewusst, dass er die schlimmste Todesart erleiden würde, die menschliche Grausamkeit in der Antike ersonnen hat? Oder war es die quälende Ungewissheit, die ihn Blut und Wasser schwitzen ließ? Ich weiß es nicht, aber ich bin überzeugt davon, dass Jesus sich aus Liebe - und das bedeutet immer aus freien Stücken - in die Hände der Menschen ausgeliefert hat.Für viele Menschen (auch Christen) ist das Kreuz - besonders mit Korpus - etwas abstoßendes. Ausdruck einer Sadomasochistischen Religion, die das Leiden verherrlicht und, um das zu verdeutlichen, konsequenterweise ein Folterinstrument zu ihrem Symbol gemacht hat. Aber das Kreuz ist ungleich mehr. Das Kreuz ist ein Hoffnungszeichen, das über sich selbst hinausweist. Es symbolisiert die Zerrissenheit unserer Welt, aber gleichzeitig auch ihre Heilung. Das Kreuz spricht von der Liebe Gottes zu uns, macht aber gleichzeitig Ernst mit dem Leid, der Bosheit und der Erlösungsbedürftigkeit der Menschheitsfamilie.
Ja es stimmt, die Leiden Christi werden verherrlicht, ihrer wird ständig gedacht, sei es in stiller Andacht, oder als große Prozession in Jerusalem oder anderswo. Der Kreuzweg ist wichtiger Bestandteil der katholischen Spiritualität und Frömmigkeit - wenn auch rückläufig.
Das bedeutet aber nicht, dass Christen aufgerufen sind, soviel wie möglich zu leiden, es ist eher so, dass das Christentum unter Fülle des Lebens ausdrücklich auch das Leiden mit einbezieht. Fülle des Lebens bedeutet gute wie schlechte Zeiten erlebt zu haben, und beides auch anzunehmen in Dankbarkeit. Wir sollen das Leid und den Schmerz nicht suchen, auch wenn es Christen gibt die genau das tun, ich denke da an einige abwegige Praktiken auf den Phillipinen, wo sich z. B. jedes Jahr einige Katholiken unter ärztlicher Aufsicht für einige Minuten an ein Kreuz nageln lassen. Wenn Jesus davon spricht, dass jeder sein Kreuz auf sich nehmen soll, meint er vielleicht, dass wir nicht der eigenen Trägheit verfallen sollen, sondern Gutes tun und nach Gottes Geboten leben sollen. Das dürfte schwierig genug sein für ein kurzes Menschenleben.
Ich verstehe gut, warum viele Christen lieber auf die Auferstehung blicken, aber die Glorie der Auferstehung, die sich still im geheimen vollzog, erlangt ihren tiefsten Sinn erst durch die öffentliche Erniedrigung Jesu und sein Sterben am Kreuz. Dieser Nullpunkt des irdischen Jammertales hat Christus durchlitten für uns, aber nicht nur um seine Solidarität mit dem Menschengeschlecht zu demonstrieren, sondern um die gefallene, irdische Wirklichkeit an ihrem tiefsten Punkt aufzunehmen und zu verwandeln. Es gibt für mich keine radikalere Art, durch die Gott seine Liebe zu uns hätte ausdrücken können.
Die durch menschliches Handeln vollzogene Erlösungstat Gottes am Kreuz – sowie die Auferstehung von den Toten sind zwei Seiten derselben Medaille, die einer konsekrierten Hostie gleicht.
Wir brauchen uns nicht mehr zu fürchten, als Christen sind wir durch die Taufe gestorben und in Christus wiedergeboren. Die furchtbare Angst die unser Erlöser im Garten Gethsemane hatte, braucht uns nicht mehr zu befallen. Sicher – es gibt keinen Heilsautomatismus, auch wenn viele das glauben wollen, das Leben bleibt ein Ernstfall, aber Christus hat uns – also seiner Kirche den Weg gewiesen, und wir sind aufgerufen in seine Nachfolge zu treten.
Der Rest ist Gnade.



Mittwoch, 18. Juli 2012

Ein externer Beitrag

Der folgende Text stammt nicht aus meiner Feder, sondern von Pfarrer Hendrick Jolie, der ihn unter dem Titel: "Sind Sie konservativ?" hier veröffentlicht hat. Pfarrer Jolie fasst mit so treffenden Worten das zusammen, was in mir schon seit längerem Unbehagen hervorruft, dass ich um die Erlaubnis bat, seinen Artikel hier veröffentlichen zu dürfen.

"Ein Katholik denkt global und handelt lokal. Er ist auf der ganzen Welt zuhause, aber damit noch nicht genug: Der Begriff des "Katholischen" (= "allumfassend") erstreckt sich nämlich nicht nur räumlich auf jedes Land dieser Erde. Wendet man den Begriff auf die Zeit an, so könnte man sagen: Nicht nur an jedem Ort dieser Welt sind Katholiken zuhause, sondern in jeder Epoche, in den vergangenen wie in allen zukünftigen. Zum Katholischsein gehören die Heiligen der vergangenen Jahrhunderte ebenso wie auch alles, was die Vorsehung Gottes für die Kirche und ihre Gläubigen noch vorbereitet hat.
 
Das großartigste Zeugnis dieser "katholischen" Geisteshaltung hat uns der Heilige Johannes mit dem letzten Buch der Heiligen Schrift geschenkt: Die Offenbarung des Heiligen Johannes ist ein Blick in den Himmel, der die universale (eben "katholische") Bedeutung Christi und seiner "Kirche" sichtbar werden lässt. Alle Epochen, alle Stämme und Völker sind berufen, dem geopferten Lamm zu dienen.
 
Diese Sicht ist für provinziell begrenztes Denken eine Zumutung. Deshalb haben clevere Geister den Begriff "konservativ" aus der Politik und der Soziologie geraubt, um ihn in die Kirche als Kampfbegriff einzuführen. Der Begriff soll fortan nicht länger eine soziologische oder politische Gruppe charakterisieren (in diesem - politischen - Sinne gab es immer Konservative und Liberale in der Kirche). Er wird nun direkt auf den Glauben angewendet.
 
Der Begriff "konservativ" (und seine Geschwister "erzkonservativ", "reaktionär") dient nun zur Stigamtisierung von Katholiken, die am Glauben der Kirche festhalten. Wer den Suchbegriff "konservative Katholiken" im Internet eingibt, erhält genau dieses Bild: Konservativ ist demnach, wer z.B. gegen Abtreibung ist und für den Schutz der sakramentalen Ehe einsteht. Konservativ ist, wer den Papst für unfehlbar, die kirchlichen Dogmen für wahr und die Gebote Christi und seiner Kirche für heilsnotwendig hält.
 
Eigentlich sind solche Leute nicht als "konservative Katholiken", sondern - tautologisch - als "katholische Katholiken" zu bezeichnen. Der Kampfbegriff des "Konservativen" suggeriert jedoch, dass es - wie in der Politik - auch im Hinblick auf den Glauben "konservative" und "progressive" Strömungen geben kann. Der Begriff der "Reform", des "Fortschritts" oder - neuerdings - des "Aufbruchs" wird dabei von jenen beansprucht, die z.B. in den o.a. Punkten Ansichten vertreten, die mit der Lehre der Kirche unvereinbar sind. Auch hier hilft der Suchbegriff "Reformen der Katholischen Kirche" weiter.
 
Die Einführung ideologischer Begrifflichkeit (konservativ - liberal) in den Diskurs über Glaube und Moral zeugt von terminologischer Unkenntnis und ist schon rein strategisch gesehen ein Irrweg. Sie verhindert die sachorientierte Auseinandersetzung über das, was zum unverrückbaren Glaubensgut der Kirche gehört und was tatsächlich als "Verhandlungsmasse" anzusehen ist. Andere Milleus würden sich gegen eine solche Ideologisierung wehren. Ist z.B. eine Chirurgentagung denkbar, bei der sich jene Ärzte, welche die Hygienevorschriften ihres Krankenhauses einhalten, als "konservativ" bezeichnen lassen würden?
 
Es ist allerhöchste Zeit, die ideologischen Hintergründe der momentanten Diskussion zu durchschauen. Leider übernehmen selbst Bischöfe in den Medien die Schlagworte "konservativ" und "liberal" - z.B. wenn Sie behaupten, sie gehörten nicht zum "konservativen Flügel" der Bischofskonferenz. Die einzig richtige Antwort wäre die Zurückweisung des Begriffs "konservativ" oder "liberal", weil er in Fragen des Glaubens kein passender Begriff ist. Es gibt keinen konservativen oder progressiven Glauben. Die Wahrheitsfrage kann nicht mit soziologischen Begriffen erläutert werden.
 
Ein Tipp: Werden Sie sensibel dafür, wenn in Gesprächen über Glaube und Kirche Begriffe wie "Fortschritt", "Rückschritt", "Offenheit", "Reformen" etc. verwendet werden. Fragen Sie nach, was damit gemeint ist. Weisen Sie es zurück, wenn Katholiken (insbesondere auch Priester), die den Glauben und die Lehre ihrer Kirche ernstnehmen, fälschlicherweise als "konservativ" bezeichnet werden.
 
Der Verfall unserer Diskussionskultur hängt eng mit dem Verfall der Sprache und einer unscharfen Begrifflichkeit zusammen. Dem sollten Katholiken widerstehen, soweit es in ihrer Macht steht."

Sonntag, 1. Juli 2012

Krise des Gottesbildes

Nicht wundern, dieser Beitrag war ursprünglich ein Kommentar, in einem von mir sehr geschätzten Blog. Aber wie ich so am schreiben war, merkte ich, dass ich den Kommentar auch hier als eigenen Beitrag veröffentlichen wollte.

Willkommen im neuen eiapoppeia – Wohlfühlchristentum, in dem Jesus nur noch als Sinnverstärker herhalten darf, um uns die Tiefendimension einer diesseitigen Lebensorientierung aufzuschließen. Religion – ein Wellnessangebot unter vielen. Es fällt mir oft wahnsinnig schwer, meinen Glauben in mein Leben ehrlich zu integrieren, aber ich bin katholisch geworden, weil mir klar wurde, dass eine zusammengeschusterte Patchworkreligion nichts wahrhaftiges an sich hat. Die Kirche stellt mich infrage – und das ist gut so! Gottes Zorn ist nur die Kehrseite seiner Liebe, oder wie Robert Spaemann einmal sinngemäß in einem Interview sagte: “Die Sonne die uns wärmt ist dieselbe, die uns auch verbrennen kann, das liegt aber nicht an der Sonne – sondern an den Verhältnissen auf der Erde.”
Die Trennung zwischen Glaube und Ethik ist ebenso wie die Trennung von Sex und Fruchtbarkeit eine Künstliche, und dem Christentum nicht wesensgemäß. Zu denken, dass alles was wir tun schon irgendwie in Ordnung ist, ist pures Heidentum, und kann sich ehrlicherweise nicht mehr christlich nennen. Natürlich – die Hoffnung, dass wenn wir vor dem Richterstuhl Christi stehen, und im Lichte seiner Liebe unser Leben ganz verstehen werden (inklusive den Dingen, die wir zu irdischen Lebzeiten nicht verstehen wollten), dass dann doch alles gut gewesen ist, ist auch meine Hoffnung. Aber ich hoffe das für alldiejenigen, die ohne den Glauben an Chrstus gestorben sind, und die doch von anderen geliebt wurden, aber ich weiss auch: Für verstorbene Freunde, die den Glauben an Gott stets abgelehnt haben, bietet das Christentum für die gläubigen Hinterbliebenen nicht viel tröstliches. Leider Gottes. Wünschen wir uns nicht alle, tief in unserem Herzen, Ewigkeit in Glückseligkeit? Ja der Gedanke schmerzt, dass es die enge Pforte gibt, und die ewige Verdammnis, aber ich halte im Glauben daran fest, weil Jesus selbst davon gesprochen hat. Das dieser Aspekt des Glaubens in der Verkündigung immer mehr ausgespart wird, ist ein durch nichts zu entschuldigendes Versäumnis, und schmälert die Glaubwürdigkeit der Kirche. Die Rede von der Hölle ist immer auch die Rede von unserer Freiheit – das sollte man nicht vergessen!!
Hierzu, auf der Seite: katholisch-informiert.ch, also zur Krise des Gottesbildes, und zu den neuen/alten (und nervigen) Reformthemen moderner Christen, wird Alfred Läpple, Professor für Religionspädagogik zitiert, der schon vor 30 Jahren lesenswertes zum Thema zu sagen gehabt hat.

Samstag, 30. Juni 2012

Aus meiner Gemeinde Teil 3

Auszug aus der Vorstellung einer vom Sachausschuss „Leitbild“ im vergangenen Herbst in Auftrag gegebenen Gemeindebefragung, initiirt vom Pfarrgemeinderat in meiner Heimatstadt, in der es nominell immerhin gut 13000 Katholiken geben soll. Ein wirkliches Meinungsbild wiedergeben kann diese Umfrage nach den Regeln der Statistik vermutlich nicht, weil nur 223 Personen daran teilnahmen. Dennoch zweifel ich nicht daran, dass diese Ergebnisse auch auf ganz Deutschland übertragen werden könnten, natürlich mit gewissen Abweichungen:

 "Lebendige Gemeinde braucht Reformen“
– auf die sie vergeblich wartet, dies ist die wahrscheinliche Antwort. Über die Einmütigkeit bezüglich der abgefragten Reformanliegen waren wir überrascht: 92% wünschen eine Aufwertung
der Stellung der Laien, 87% kirchliche Ämter für Frauen, 93% eine Freiwilligkeit des Zölibats,
83% die Abendmahlsgemeinschaft mit den evangelischen Kirchen, 77% eine Änderung der
Haltung zur Homosexualität und 74% sind unzufrieden mit dem Umgang mit wiederverheirateten
Geschiedenen. Dies ist zwar kein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, aber ein starkes
Votum mitten aus der Kerngemeinde! Der Pfarrgemeinderat hat verstanden…


"Der Pfarrgemeinderat hat verstanden..." ?!? Das klingt fast wie eine Drohung oder? Was wird der Pfarrgemeinderat wohl jetzt machen? Ich vermute er wird das tun, was überall in Deutschland getan wird: Er wird die neuen alten Reformthemen weiter am köcheln halten, irgendwann muß die Suppe doch gar werden! Ich bin erst seit drei Jahren katholisch und stelle mir vor, dass es irgendwann einmal eine Zeit gegeben haben muß, in der man wusste was gemeint war, wenn von katholisch die Rede war. Heute ist das nicht mehr so, und damit meine ich nicht den krassen religiösen Analphabetismus außerhalb ( und innerhalb ) der Kirche, sondern die Tatsache, dass die Kirche zutiefst gespalten ist. Wenn man heute katholisch sagt, müsste eigentlich ersteinmal genau nachgefragt werden was denn damit eigentlich gemeint ist, denn katholisch ist offenbar nicht mehr gleich katholisch. Die Meinungen darüber was heute katholisch sein soll (darf) driften immer weiter auseinander und sollen zur Disposition stehen. Traditionell gesinnten Katholiken, also diejenigen die früher eben schlicht katholisch waren und die die Überlieferungen der Kirche achten, weht heute ein kalter Wind ins Gesicht, denn sie werden immer stärker in die Defensive gedrängt, und immer mehr zum Schweigen gebracht.
Für mich, der ich mich dem konservativen - also dem traditionsverbundenen Katholizismus - zugehörig fühle, ist es schwer sich als Neukonvertit in der Kirche heimisch zu fühlen. Nach Robert Spaemann ist der katholische Begriff von Fortschritt immer die organische Weiterentwicklung der Tradition, nicht aber der Bruch mit derselben. Was ist daran so schwer zu verstehen?

Aber der Reihe nach:

1.  92% wünschen eine Aufwertung der Stellung der Laien

Was genau soll das bedeuten? Es ist viel die Rede von einer Zweiklassengesellschaft innerhalb der Kirche, die Einteilung in Klerus und Laien wird von vielen als anachronistische und demokratieferne Zumutung empfunden. Viele Laien wünschen sich "flache Hierachien", und argwöhnen in der jetzigen Verfasstheit des Gottesvolkes ein angestaubtes Obrigkeitsdenken: Wir hier oben - ihr da unten. Sind traditionell gesinnte Katholiken autoritätshörige Kleingeister, weil sie den heiligen Vater sehr schätzen und das Petrusamt für absolut notwendig erachten? Sind traditionell gesinnte Katholiken zum selbstständigen Denken nicht imstande, weil sie das kirchliche Lehramt - für viele das große Übel schlechthin - für absolut notwendig halten?
Nein natürlich nicht. Ich beneide weder die Bischöfe, also die Nachfolger der Apostel, noch den Papst, den Bischof von Rom um das schwere Amt das sie auszuüben haben. Ich beneide auch keinen Priester, denn sie müssen heutzutage ein breites Kreuz und ein dickes Fell haben, v.a. wenn sie treu zum Papst stehen und sich nicht vom Zeitgeist einwickeln lassen wollen. Kleriker und Laien gehören zum selben Gottesvolk, aber ihre Berufungen - ihre Aufgaben sind unterschiedlich. Die geweihten Dienstämter übernehmen andere Aufgaben als die Nichtgeweihten, damit verbunden ist aber keine Aussage im Sinne vom Wert des Einzelnen vor Gott.
Bischöfe und Priester sind für mich Respektspersonen, weil sie durch das was sie sind, den authentischen Glauben aus 2000 Jahren Kirchengeschichte repäsentieren. Sie sind für mich in glaubenssachen Autoritäten, weil sie in Einheit mit dem Papst und dem Lehramt das verkünden, was immer katholischer Glaube war. Dafür bin ich dankbar! Die Ausrichtung auf Autoritäten in Glaubensfragen schützt uns vor dem Abstieg in die Mittelmäßigkeit - vor dem Abgleiten in Häresien und Heterodoxien. Nur in der hierachischen Verfasstheit der Kirche ist garantiert, dass auch kommende Generationen die authentische katholische Lehre erfahren können.
Was ist daran so schwer zu verstehen?

2. 87% wünschen kirchliche Ämter für Frauen

Ich vermute mal das damit die Zulassung von Frauen für geweihte Ämter gemeint ist, also Diakonin, Priesterin, Bischöfin und am Ende vielleicht auch Päpstin ( wenn man es konsequent zuende denkt )
Im Grunde kann man sagen was man will, es ist immer falsch. Es wird als falsch verstanden, weil in unserer Gesellschaft Frauen genauso Zugang zu allen Berufen und Stellungen haben sollen wie Männer. Das ist richtig, wichtig und gut so. Aber in der Kirche geht das nicht. Die Kirche ist natürlich Teil unserer Gesellschaft, aber nicht in dem Sinne, dass sie mit ihr identisch wäre, auch wenn das offenbar das Ziel vieler Kathreformis ist.
Wenn Papst Johannes Paul II nochmals erklärt, dass die Kirche nicht befugt ist, Frauen den Zutritt zu geweihten Ämtern zu gestatten, dann ist das für viele natürlich nur eine vorgeschobene Behauptung von geweihten Amtsträgern, die um ihre Vorherrschaft fürchten, was dann natürlich nur wieder ein Beweis für rückständige Strukturen innerhalb der Kirche ist.
Wenn man aber die Abendmahlsberichte genau betrachtet, und sich deutlich macht, dass hier jedes Detail wichtig ist, dann stellt man fest, dass im engsten Apostelkreis der Zwölf nur Männer vertreten waren. Warum das so war, weiß ich natürlich nicht, dies bleibt Jesu Geheimnis, aber man darf nicht einfach darüber hinwegsehen und das als zufällige Belanglosigkeit betrachten. Gerade hier an diesem Ort in dieser Stunde ist jedes Detail bedeutungsvoll. Es ist Treue zur Überlieferung und nicht kaschierte Frauenfeindlichkeit oder überholte Theologie.
Was ist daran so schwer zu verstehen?

3. 93% wünschen eine Freiwilligkeit des Zölibats

Freiwillig?? Jetzt mal ehrlich, wer hier von Freiwilligkeit spricht, meint doch wohl die Abschaffung oder nicht?
Im übrigen kenne ich keinen Priester, der zu einem Leben im Zölibat gezwungen wurde, meines Wissens, ist die Entscheidung zum Priestertum - zu der natürlich der Zölibat gehört - immer freiwillig. Bevor ein Mann den Zeitpunkt seiner Priesterweihe erreicht hat, vergehen mindestens 6 bis 7 Jahre, er hat also viel Zeit um in sich den Entschluß reifen zu lassen als Priester mit allen Konsequenzen zu leben - oder eben einen anderen Weg innerhalb der Kirche zu gehen. Diejenigen die sich für die Priesterberufung entscheiden - falls die Kirche sie für geeignet hält - leben den Zölibat als Teil und Ausdruck ihrer priesterlichen Berufung. Viele Menschen behaupten, dass sich Priester auch Frauen und Kinder wünschen, aber diese Behauptung halte ich für extrem gewagt, denn wir hören wenn überhaupt nur von denjenigen, die am Zölibat gescheitert sind, nichts aber von den Vielen, die ihrer priesterlichen Lebensweise treu geblieben sind.  Viele sagen auch, dass man eine solche Entscheidung fürs Leben einfach nicht treffen könne. Wieso nicht? Wer behauptet, dass man eine solche Entscheidung nicht treffen kann, stellt die Fähigkeit des Menschen eine Entscheidung fürs Leben zu treffen, grundsätzlich infrage und orientiert sich bei seiner Einschätzung offenbar zu sehr an den hohen Scheidungsraten in Deutschland oder anderswo. Der Zölibat drückt die Hingabe des Priesters an Gott und seinem Nächsten aus, indem er sich für seine Berufung permanent verfügbar hält. Ich persönlich stelle mir das sehr schwer vor, und es bedarf sicher großer Gnaden von Gott, um die Kraft zu haben einen solchen Lebensentwurf durchzuhalten. Aber gerade deshalb verdienen Priester unseren Respekt und unsere Unterstützung, denn sie sind gerade durch ihre Lebensweise ein starkes Zeichen für Gottes Gegenwart in unserer Zeit. Was ist daran so schwer zu verstehen?

4.  83% wünschen die Abendmahlsgemeinschaft mit den evangelischen Kirchen

Nur 83% !!, ich denke 100 % aller Christen wünschen sich eine Abendmahlsgemeinschaft mit der evangelischen Kirche,  aber, und jetzt kommt der Haken, erst nach Bereinigung aller wichtigen Differenzen. Auch ich bin ungeduldig, denn der konfessionelle Riss geht mitten durch meine Familie, und es fällt mir häufig schwer im Gespräch mit meinen Vater oder mit anderen evangelischen Christen die nötige Geduld zu bewahren, denn ich werde oft mit Halbwissen über meine Kirche genervt, was ich oft als beleidigend empfinde. Auf der anderen Seite weiß auch ich vieles nicht über die evangelisch gesinnten Glaubensgemeinschaften, und ich lasse mich gerne überraschen, aber dennoch bleibt es dabei:  Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit der Kirche, und setzt daher auch die Einheit des Glaubens, d. h. die volle Kirchengemeinschaft im Glauben voraus. Diese ist aber nicht gegeben, gerade im Bereich der Ekklesiologie und der Sakramentenlehre gibt es Differenzen, die man nicht einfach als theologische Randthemen beiseitewischen darf. Hier geht es um einen ehrlichen Dialog, der auch die Unterschiede benennt ( falls diese noch bekannt sind ). Die katholische Auffassung von der bleibenden Realpräsenz im konsekrierten Brot, und die Überzeugung, dass es hier nicht nur um ein Erinnerungsmahl geht, sondern um die Vergegenwärtigung des Opfers Jesu Christi, dass in unblutiger Weise durch den in Persona Christi am Altar stehenden Priester geschieht, unterscheidet sich zu sehr von der Auffassung reformatorischer Gemeinschaften. Der Opfergedanke spielt hier keine Rolle mehr, und wo kein Opfer da kein Priester - logisch. Derartige Unterschiede sind aber gravierend. Wir müssen uns abgewöhnen unsere eigene Lebensspanne als Zeitmaß für eine "Wiedervereinigung" anzunehmen. Menschenwerk hat die Kirche gespalten, und wir müssen es allen notwendigen Anstrengungen zum Trotz der Gnade Gottes überlassen, wann der zerbrochene Spiegel wiederhergestellt wird. Es war auch Ungeduld, die die Trennung herbeigeführt hat, daher sollte nicht Ungeduld unser Ratgeber bei allen ökumenischen Bemühungen sein.
Was ist daran so schwer zu verstehen?

5. 77% wünschen eine Änderung der Haltung zur Homosexualität 

Wie ist denn die Haltung der Kirche zum Thema Homosexualität? Lehrt die Kirche das Menschen mit homosexueller Neigung diskriminiert werden sollen, das sie besonders böse Sünder sind, während die Heteros alle gute Sünder sind??
Man lese bitte den KKK zu diesem Thema! Die Kirche lehrt, dass praktizierte Homosexualität eine schwere Sünde ist. Das biblische Zeugnis hierzu ist eindeutig, und falls mit einer Änderung der kirchlichen Haltung zum Thema Homosexualität gemeint ist, dass die Kirche von diesem Teil seiner Verkündigung abrückt, dann kann ich nur sagen: No Sir! Die Kirche soll zeitgeistkonformer werden und deshalb auf sperrige Themen verzichten, dies kann sie aber nicht, weil sie zur Treue gegenüber der göttlichen Offenbarung verpflichtet ist. Jede Exegese die versucht praktizierte Homosexualität als etwas dem christlichen Menschenbild entsprechendes zu vertreten muss sich die Kritik gefallen lassen, ungenehme Stellen zu harmonisieren.
Was ist daran so schwer zu verstehen?

So, ich bedanke mich bei allen, die bis hierher mitgelesen haben. Zu dem letzten Punkt der Umfrage schreibe ich nichts mehr - jedenfalls heute nicht mehr.  Ich habe mich sozusagen "leergeschrieben"

Montag, 14. Mai 2012

Inoffizielle Termine

Aus aktuellem Anlass ( Katholikentag in Mannheim ), hier einige Termine die offenbar keinen Eingang in das offizielle Programm gefunden haben:

 Hl. Messen im außerordentlichen Ritus anlässlich des Mannheimer Katholikentages:

Freitag, *18.5.12, 18.00h*, zelebriert P. Bernward Deneke von der Petrusbruderschaft ein levitiertes Hochamt.

Samstag, *19.5.12, 9.00h*zelebriert Pfr. Hendrick Jolie / Priesternetzwerk ebenfalls ein Hochamt.

Zelebrationsort ist an beiden Tagen die Maria-Hilf-Kirche im Stadtteil Almenhof (August-Bebel-Str. 47, 68199 Mannheim).

Sonntag, 13. Mai 2012

Heilig ist der Herr!

Was für ein wunderbares Kirchenlied! Wann immer es in der heiligen Messe ertönt, wird mein Herz von Freude ergriffen.

Montag, 7. Mai 2012

Eindrücke von Außerhalb

Ich bin gerade zu Besuch bei Verwandten in Nordrheinwestfalen und habe bei dieser Gelegenheit eine kleine romanische Kirche aus dem 10 Jahrhundert besichtigt. Wie man einer Infotafel entnehmen konnte, hatte diese Kirche allerlei Umbauarbeiten hinter sich. Auch im Inneren hatte sich einiges getan, in der Kirche war ein schöner barocker Hochalter zu bewundern, ein Anblick der nur durch eine kleine, graue "Konzilskiste" getrübt wurde, die unglaublich störend auf das Gesamtensemble wirkte. Ich gebe es zu, ich mag es nicht wenn man Altartische vor die alten Hochaltäre stellt, denn meiner Meinung nach zerstört das meistens die innerer Harmonie eines solchen Kirchenraumes, in dem ja letztlich alles auf den im Osten stehenden Hochaltar abgestimmt ist. Da ist der Mittelgang, der an Säulen vorbei dem Hochaltar in der Apsis zustrebt, dem Ort wo himmlisches irdisches berührt, und plötzlich steht da dieser Tisch im Weg... Wie ich dann später erfuhr, findet in dieser Kirche seit der letzten Pfarreizusammenlegung nicht einmal mehr eine Sonntagsmesse statt, zuwenig Gläubige und zuwenig Pfarrer - traurig. Für heute steht Rosenkranzgebet auf dem Programm, anschließend Seniorenmesse wie ich dem Aushang entnehmen konnte. Die Kirche war fast leer, vielleicht 8 Anwesende, Altersdurchschnitt ca. 60 aufwärts. Links von mir saßen, auf der anderen Seite des Mittelganges, drei ältere Damen, und eine davon erzählte von früheren Operationen, und das in einer Lautstärke, die taktlos war. Ich mag es schon im Kino nicht wenn sich Leute während des Films unterhalten, oder wenn Leute im Zug laut telefonieren, aber in einer Kirche laut miteinander zu reden finde ich einfach nur empörend, dieses Maß an Unachtsamkeit...

Teil 2.
Anlass meines Besuchs war die Taufe und anschließende Konfirmation meines 14 jährigen Neffen. Der Gottesdienst fand in einer evangelisch - lutherischen Kirche statt. Die Pastorin lud alle Teilnehmer - auch die anderer Konfessionen -  herzlich dazu ein, am Abendmahl teilzunehmen. Das könnte man auch als Aufruf zum Ungehorsam interpretieren. Da ich neben meiner Mutter der einzige Katholik in der Familie bin, war für mich klar, dass ich am Abendmahl nicht teilnehmen würde, was mir die Trennung der Konfessionen wieder einmal schmerzlich ins Bewusstsein gebracht hat. Dass ich mit dem Rest meiner Familie nicht gemeinsam kommunizieren kann, ist einfach sehr traurig, und es wird auch nicht dadurch einfacher, dass eigentlich niemand den ich kenne so recht versteht, wo eigentlich das Problem ist. Die Trennung wird als solche von vielen offenbar gar nicht mehr wahrgenommen, Katholiken gehen wie selbstverständlich zum Abendmahl, und Protestanten haben häufig keine Bedenken die Eucharistie zu empfangen, wie ich unlängst während einer Exerzitienwoche in einem Benediktinerinnenkloster sehen konnte. Total normal! Es war wohl ursprünglich angedacht, dass sich nach der Konfirmation alle Verwandten nach vorn begeben, um das Abendmahl zu empfangen, dem sah ich mit Grausen entgegen, denn für mich war das gewissermaßen eine Zwickmühle. Gehe ich nach vorne um dann abzulehnen? Nein - natürlich nicht. Also sitzenbleiben, was dann wiederrum für Rückfragen sorgen würde und vielleicht meinen Neffen traurig gemacht hätte. Der reinste Krampf, es kam dann aber zum Glück zu einem anderen Ablauf. Während die Gläubigen nach und nach langsam nach vorne gingen, sah ich mit einigem Unbehagen, dass die Gläubigen die Oblate nicht eigentlich empfingen, sondern das jeder sich eine Oblate aus einem Körbchen fischte, und sie dann in den Kelch mit Traubensaft getaucht hat. Meiner Ansicht nach ein Unding. Ich glaube nicht, dass es hier nur um eine Stilfrage geht, sondern darum, dass der Glaube an die Gegenwart Christi in Brot und Wein immer mehr verloren geht. Wieviel Erfurcht ist noch dabei, wenn man sich eine Oblate herausnimmt, sie in den Traubensaft taucht, vielleicht noch kurz abtropfen
lässt und dann in den Mund steckt? Meiner Ansicht nach hat das was achtloses und beiläufiges.
Für meinen Neffen habe ich mich dann aber gefreut, denn er meinte später zu mir, dass er sich nicht - so wie ich damals - nur wegen der Kohle hat konfirmieren lassen, sondern zum Glauben gefunden hätte. ( Über das Geld hat er sich natürlich trotzdem gefreut. )