Mittwoch, 7. März 2012
Hinweis
Ich habe in einem katholischen Blog etwas sehr schönes gelesen, etwas das es wert ist von vielen gelesen zu werden. Der Titel lautet: Mein Programm für diesen Blog. Es geht um unsere innere Haltung und um die Art und Weise, wie wir mit unserer Unzufriedenheit bezüglich kircheninterner Probleme in unserer Kirche umgehen. Mich hat dieser Text sehr nachdenklich gestimmt denn schon seit längerem hält mich eine Trägheit gefangen, die mich sogar davon abhält in die Messe zu gehen oder zu beten. Woran das nun im einzelnen liegt ist sicher schwer auszuführen, hat aber viel damit zu tun, dass ich seit meiner Konvertierung zur katholischen Kirche immer wieder das Gefühl großer Enttäuschung erlebe, dass mich davon abhält am Gemeindeleben teilzunehmen. Allerdings kann ich auch nicht gut allein meinen Glauben leben, dies widerspräche auch dem christlichen Selbstverständnis. Tja die Kirche die mich berührt hat mit ihrer Tradition und zu der ich konvertierte habe ich vor Ort nicht gefunden, es war doch wohl eher wie eine kalte Dusche die mich wach machte für innerkirchliche Probleme, die ich vorher gar nicht wahrgenommen hatte. Meine Konversion habe ich nie bereut, und ich weiss, dass ich das Richtige getan habe, aber heimisch fühle ich mich trotzdem nicht, denn ich vertrete eine Aussenseitermeinung, bin aber auch zunehmend kritisch-gereizt und sehe das Gute in den Absichten meiner Mitchristen nicht mehr. Ich werde mich wieder mehr mit meiner Haltung auseinandersetzen müssen, denn im Augenblick stagniere ich und ziehe mich völlig zurück. Ich bin froh über den oben erwähnten Post.
Freitag, 30. Dezember 2011
Adios 2011
Jaja, wie schnell doch die Zeit vergeht...
Ich wünsche allen, die sich gelegentlich auf diese Seite "verirren" eine gesegnete Weihnachtszeit und ein schönes Jahr 2012.
Ich wünsche allen, die sich gelegentlich auf diese Seite "verirren" eine gesegnete Weihnachtszeit und ein schönes Jahr 2012.
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Gebet
Ein wunderschöner geistlicher Text von J.M. Nouwen ( 1932 - 1996 ), römisch - katholischer Priester, Psychologe und geistlicher Schriftsteller, niederländischer Herkunft, über das Beten:
"Beten ist die eigentliche Disziplin des Augenblicks. Wenn wir beten, treten wir ein in die Gegenwart Gottes, dessen Name Gott-mit-uns ist. Beten heißt, dem aufmerksam zu lauschen, der hier und jetzt zu uns spricht. Wenn wir den Mut haben, darauf zu vertrauen, dass wir niemals allein sind, sondern Gott immer mit uns ist, immer für uns sorgt und immer zu uns spricht, werden wir uns mit der Zeit von den Stimmen befreien, die uns plagen und ängstigen, und uns dann zubilligen, im gegenwärtigen Augenblick zu leben. Dies bedeutet, sich einer großen Herausforderung zu stellen, denn radikal auf Gott zu vertrauen fällt keinem in den Schoß. Die meisten mißtrauen Gott, halten ihn für einen furchterregenden, strafenden, autoritären Herrscher oder für ein blankes, machtloses Nichts. Der Gott, den Jesus verkündet, ist weder ein machtloser Schwächling noch ein mächtiger Boss. Im Mittelpunkt der Verkündigung Jesu steht die Botschaft vom liebenden Gott, der sich danach sehnt, uns das zu geben, wonach unser Herz sehnlich verlangt.
Beten heißt, auf diese Stimme zu hören. Das Wort Gehorsam, und noch deutlicher das entsprechende lateinische oboedientia, das sich von "obaudire - mit großer Aufmerksamkeit hören, lauschen" ableitet, meinen vor allem solch eine Haltung des Lauschens. Ohne Hinhören und Lauschen werden wir für die Stimme der Liebe taub. Das lateinische Wort für taub ist "surdus". Vollkommen taub sein heißt "absurdus", ja absurd. Wenn wir nicht mehr beten, nicht mehr auf die Stimme der Liebe hören, die in diesem Augenblick zu uns spricht, wird unser Leben zu einem absurden Leben, in dem wir zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und hergeworfen werden.
Wenn uns jeden Tag dieses Hören und Lauschen wenigstens für ein paar Minuten - dort, wo wir gerade sind - gelänge, würden wir entdecken, dass wir nicht allein sind und das der, der mit uns ist, nur das eine will: uns Liebe schenken.
Das Hören auf die Stimme der Liebe erfordert, dass wir Herz und Sinn aufmerksam auf diese Stimme richten. Wie kann das geschehen? Der fruchtbarste Weg besteht meiner Erfahrung nach darin, sich ein einfaches Gebet, einen Satz oder auch nur ein Wort auszuwählen und es langsam zu wiederholen. Besonders geeignet sind das Vaterunser, das Jesusgebet, der Name Jesus oder ein anderes Wort, dass uns an die Liebe Gottes erinnert und sie in die Mitte unseres inneren Raumes stellt wie eine brennende Kerze in eine dunkle Kammer. Wahrscheinlich werden wir dabei ständig abgelenkt werden. Es wird uns durch den Kopf gehen, was gestern passiert ist, und wir werden uns Gedanken darüber machen, was morgen geschehen mag. Wir werden in unserer Phantasie lange Diskussionen mit Freund und Feind führen, werden, werden Pläne für den kommenden Tag schmieden, ein bevorstehendes Gespräch entwerfen oder unsere nächste Sitzung in Gedanken organisieren. Doch solange wir darauf achten, dass die Kerze in unserer dunklen Kammer nicht erlischt, können wir uns immer wieder dieses Licht zunutze machen und die Gegenwart dessen klar erkennen, der uns das anbietet, wonach wir am meisten verlangen.
Dies mag nicht immer eine befriedigende Erfahrung sein. Oft sind wir so mit uns beschäftigt und so wenig in der Lage, innere Ruhe zu finden, dass wir es gar nicht erwarten können, uns wieder in das Getriebe zu stürzen und damit der Konfrontation mit dem chaotischen Zustand unseres Herzens und unserer Sinne aus dem Wege zu gehen. Doch wenn wir unserer Übung treu bleiben, auch wenn es täglich nur 10 Minuten sein sollten, werden wir nach und nach - durch das Kerzenlicht unseres Betens - erkennen, dass es in uns einen Ort gibt, an dem Gott wohnt und an dem wir eingeladen sind, mit Gott zusammen zu wohnen. Eines tages werden wir diesen inneren, heiligen Ort als den schönsten und kostbarsten ansehen, den wir aufsuchen können, um hier zu verweilen und geistlich gestärkt zu werden."
Bedauerlicherweise war es mir nicht möglich, die Originalliteratur, der dieser Text entstammt, ausfindig zu machen. Diesen Text habe ich aus dem Buch: Was ist inneres Beten? von Reinhard Körner, 2002, Vier Türme Verlag.
"Beten ist die eigentliche Disziplin des Augenblicks. Wenn wir beten, treten wir ein in die Gegenwart Gottes, dessen Name Gott-mit-uns ist. Beten heißt, dem aufmerksam zu lauschen, der hier und jetzt zu uns spricht. Wenn wir den Mut haben, darauf zu vertrauen, dass wir niemals allein sind, sondern Gott immer mit uns ist, immer für uns sorgt und immer zu uns spricht, werden wir uns mit der Zeit von den Stimmen befreien, die uns plagen und ängstigen, und uns dann zubilligen, im gegenwärtigen Augenblick zu leben. Dies bedeutet, sich einer großen Herausforderung zu stellen, denn radikal auf Gott zu vertrauen fällt keinem in den Schoß. Die meisten mißtrauen Gott, halten ihn für einen furchterregenden, strafenden, autoritären Herrscher oder für ein blankes, machtloses Nichts. Der Gott, den Jesus verkündet, ist weder ein machtloser Schwächling noch ein mächtiger Boss. Im Mittelpunkt der Verkündigung Jesu steht die Botschaft vom liebenden Gott, der sich danach sehnt, uns das zu geben, wonach unser Herz sehnlich verlangt.
Beten heißt, auf diese Stimme zu hören. Das Wort Gehorsam, und noch deutlicher das entsprechende lateinische oboedientia, das sich von "obaudire - mit großer Aufmerksamkeit hören, lauschen" ableitet, meinen vor allem solch eine Haltung des Lauschens. Ohne Hinhören und Lauschen werden wir für die Stimme der Liebe taub. Das lateinische Wort für taub ist "surdus". Vollkommen taub sein heißt "absurdus", ja absurd. Wenn wir nicht mehr beten, nicht mehr auf die Stimme der Liebe hören, die in diesem Augenblick zu uns spricht, wird unser Leben zu einem absurden Leben, in dem wir zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und hergeworfen werden.
Wenn uns jeden Tag dieses Hören und Lauschen wenigstens für ein paar Minuten - dort, wo wir gerade sind - gelänge, würden wir entdecken, dass wir nicht allein sind und das der, der mit uns ist, nur das eine will: uns Liebe schenken.
Das Hören auf die Stimme der Liebe erfordert, dass wir Herz und Sinn aufmerksam auf diese Stimme richten. Wie kann das geschehen? Der fruchtbarste Weg besteht meiner Erfahrung nach darin, sich ein einfaches Gebet, einen Satz oder auch nur ein Wort auszuwählen und es langsam zu wiederholen. Besonders geeignet sind das Vaterunser, das Jesusgebet, der Name Jesus oder ein anderes Wort, dass uns an die Liebe Gottes erinnert und sie in die Mitte unseres inneren Raumes stellt wie eine brennende Kerze in eine dunkle Kammer. Wahrscheinlich werden wir dabei ständig abgelenkt werden. Es wird uns durch den Kopf gehen, was gestern passiert ist, und wir werden uns Gedanken darüber machen, was morgen geschehen mag. Wir werden in unserer Phantasie lange Diskussionen mit Freund und Feind führen, werden, werden Pläne für den kommenden Tag schmieden, ein bevorstehendes Gespräch entwerfen oder unsere nächste Sitzung in Gedanken organisieren. Doch solange wir darauf achten, dass die Kerze in unserer dunklen Kammer nicht erlischt, können wir uns immer wieder dieses Licht zunutze machen und die Gegenwart dessen klar erkennen, der uns das anbietet, wonach wir am meisten verlangen.
Dies mag nicht immer eine befriedigende Erfahrung sein. Oft sind wir so mit uns beschäftigt und so wenig in der Lage, innere Ruhe zu finden, dass wir es gar nicht erwarten können, uns wieder in das Getriebe zu stürzen und damit der Konfrontation mit dem chaotischen Zustand unseres Herzens und unserer Sinne aus dem Wege zu gehen. Doch wenn wir unserer Übung treu bleiben, auch wenn es täglich nur 10 Minuten sein sollten, werden wir nach und nach - durch das Kerzenlicht unseres Betens - erkennen, dass es in uns einen Ort gibt, an dem Gott wohnt und an dem wir eingeladen sind, mit Gott zusammen zu wohnen. Eines tages werden wir diesen inneren, heiligen Ort als den schönsten und kostbarsten ansehen, den wir aufsuchen können, um hier zu verweilen und geistlich gestärkt zu werden."
Bedauerlicherweise war es mir nicht möglich, die Originalliteratur, der dieser Text entstammt, ausfindig zu machen. Diesen Text habe ich aus dem Buch: Was ist inneres Beten? von Reinhard Körner, 2002, Vier Türme Verlag.
Mittwoch, 14. Dezember 2011
Die heiligen drei Könige
Sehr interessant und schön anzusehen:
Samstag, 3. Dezember 2011
Nacht des Zweifels
Auch so
etwas gehört in ein katholisches Blog – das Ringen um den Glauben.
Die Auseinandersetzung mit der Anfechtung. Manchmal ist es krass. Ja,
Glaube und Zweifel gehören zusammen - Fluch und Segen zugleich: Was
wenn die Welt doch Sinn- und Zwecklos entstanden ist? Die dunkle
Nacht des Unglaubens dieser Zeit umspült mich häufig wie
eine überwältigende Woge der ich kaum etwas entgegensetzen
kann. Hineingeschubst in ein im Grunde sinnloses Dasein und doch im
Bewusstein der eigenen Endlichkeit - wie ein grausamer Scherz einer
absichtslosen Kausalität von Ursache und Wirkung, der sich
nichts und niemand entziehen kann. Wenn das eine Prüfung ist, dann
die schlimmste vorstellbare. Ich vermute, dass es Ihnen manchmal auch
so geht lieber Leser - oder? Die Vorstellung dass der Glaube nur der
Seufzer der bedrängten Kreatur ist, dringt dann wie ein stark
wirkendes Gift in meine Seele und trägt als Frucht die Verzweiflung.
Ist Gott so fern weil er so nah ist? Oder existiert er schlicht
und ergreifend nicht? Der Glaube als Realitätsflucht, als Exil im
Land der Illusion? Manchmal kann ich es nur aushalten, und wieviel
anderen geht es ebenso? Es ist ein Signum unserer Zeit, dass
viele Menschen die Konsequenz einer sinnlosen Welt ignorieren oder
verdrängen, gefangen im Alltag der Pflichten und der Verantwortung,
die das Bewusstsein gefangen nehmen und nur in den ruhigen Stunden,
vielleicht wenn man des Nachts schlaflos im Bett liegt, eine Ahnung
davon haben, was es eigentlich bedeuten kann, wenn es Gott nicht
gibt. In solchen Stimmungen wie jetzt spüre ich das zutiefst
existentielle meines Glaubens, und es irrt wer da sagt, der Gläubige
macht es sich zu einfach, denn es ist doch nur allzuoft so, dass der
Glaube wie eine flackernde Kerzenflamme ist, die man in einer
stürmischen Nacht nicht ausgehen lassen möchte, weil sie eigentlich
das Wichtigste ist, auch wenn dies heute für viele nur einem
ängstliches Festhalten an einer Wunschvorstellung gleichkommt. Es
gibt vielleicht nur wenige die wirklich glauben, und wenige die
wirklich nicht glauben, aber zwischen beiden Seiten wird ein
erbitterter, geistiger Kampf ausgefochten, während die Masse,
unterstützt durch Konsumangebote aller Art abgelenkt wird. Es ist
eine schlimme Vorstellung so geprüft zu werden, aber sie ist nicht
ohne Trost - wenn man sie besteht. Nein - ich werde im Glauben
verharren, aber meine Seele ist die Zweifel leid, je mehr ich in den
Glauben hineinwachse - umso schlimmer werden die Anfechtungen und sie
kommen immer dann, wenn ich sie am wenigsten erwarte.
Samstag, 26. November 2011
Advent
Allen Lesern und ihren Lieben wünsche ich einen schönen ersten Advent und ein gnadenvolles, neues Kirchenjahr. Der christliche Glaube umfasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen. Früher dachte ich immer, Advent bedeute ausschließlich die Ankunft des Herrn bei seiner Menschwerdung, aber Advent hat ja noch einen weiteren Sinn, nämlich die Parusie, die Wiederkunft Christi. Wie mag man sie sich vorstellen?
"Ich sah in den nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels eine Gestalt wie ein Menschensohn; er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn hingeführt. Ihm wurde Macht, Herrlichkeit und Königsherrschaft verliehen. Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Königtum geht niemals unter." Dan.7,13 - 14
Für die Urgemeinde war diese Vision aus dem Buch Daniel ein Bild sowohl für die Auferstehung, wie für die Wiederkunft Christi. Möge das neue Kirchenjahr uns allen eine vertiefte Einsicht in die Geheimnisse des Glaubens gewähren.
"Ich sah in den nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels eine Gestalt wie ein Menschensohn; er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn hingeführt. Ihm wurde Macht, Herrlichkeit und Königsherrschaft verliehen. Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Königtum geht niemals unter." Dan.7,13 - 14
Für die Urgemeinde war diese Vision aus dem Buch Daniel ein Bild sowohl für die Auferstehung, wie für die Wiederkunft Christi. Möge das neue Kirchenjahr uns allen eine vertiefte Einsicht in die Geheimnisse des Glaubens gewähren.
Politik und Religion
Wieviel Politik verträgt eine Religion? Ich stelle mal die Hypothese auf, dass sich Religion als ein System von Glaubenssätzen, kanonischen Schriften, rituellen Handlungen und ethischen Normen nicht sehr gut mit Politik verträgt. Daher halte ich die Trennung von Kirche und Staat für sinnvoll. Wenn ich schreibe, dass sich Politik und Religion nicht gut miteinander vertragen, meine ich natürlich nicht, dass man als religiöser Mensch unpolitisch sein soll - das nun gerade nicht. Man kann ja aus einer religiösen Überzeugung heraus bestimmte politische Grundhaltungen und Ziele formulieren, auch wenn das heutzutage mit Argwohn betrachtet wird, dem aufgeklärten Zeitgenossen ist es lieber, wenn man sein moralisches Koordinatensystem aus der Aufklärung bezieht, ganz so, als wäre sie beziehungslos in einem historischen Vakuum entstanden. Das Problem scheint mir eher darin zu bestehen, dass Politik die Kunst des Machbaren ist, (habe ich mal irgendwo gelesen) und somit immer auf einen Konsens abzielt, der möglichst viele mit ins Boot holt. Das wiederum beinhaltet aber auch, dass man Abstriche an der eigenen Position hinnehmen muss, ja sie manchmal sogar um eines höheren Gutes wegen gänzlich beiseite schieben muss. Das lässt sich ja am Beispiel der CDU/CSU ganz gut erkennen. Demgegenüber sind Glaubensfragen nicht verhandelbar. Beurteilt man die katholische Kirche in Deutschland aber nach politischen Kategorien, wird das Volk Gottes schnell eingeteilt in progressiv und konservativ, b.z.w. links und rechts. Ganz vereinfacht ausgedrückt sind die Progressiven die Guten, und die Konservativen die Doofen aus dem Gottesvolk. Wer allerdings religiöse Überzeugungen so beurteilt, fischt im Trüben, denn er bringt eine Kategorie mit ins Spiel, die am Wesentlichen der Kirche vorbeigeht. Das Problem besteht meines Erachtens darin, dass man nicht so sehr aus religiösen Überzeugungen heraus politische Ziele formuliert, die in den gesellschaftlichen Diskurs eingebracht werden, sondern, dass die Kirche von ihren Mitgliedern selbst zum Gegenstand für politisch motivierte Veränderungen gemacht wird. Das aber bedeutet, dass jene Kirche, die von ihrem Selbstverständnis her ein Werkzeug des Heils ist, damit die ihr Zugehörigen dann die Welt heiligen können, im Prinzip nach weltlichen Maßstäben verändert werden soll. Das wäre dann die vielzitierte Selbstsäkularisierung der Kirche, die mir großes Unbehagen bereitet. Die Kirche ist ein spiritueller Raum und nicht ein Ort für gesellschaftliche Emanzipation. Aber genau das können viele Katholiken heute nicht mehr akzeptieren, weil die Kirche mit ihrer ganzen Überlieferung für sie in unerträglicher Spannung zur heutigen, demokratisch verfassten Gesellschaft steht. Dennoch ist sie kein „sozialer Verein“, den sich Menschen so ausgedacht haben, auch keine Partei, die man in Realos und Fundis aufteilen kann. Wenn hier etwas verändert werden soll, dann nur im Einklang mit der gesamten Tradition, und nicht im Widerspruch zu ihr. Das moralische Koordinatensystem zur Bestimmung dessen, was Fortschritt bedeutet, muss immer Jesus Christus sein, und nicht zeitbedingte Vorstellungen oder allzu Menschliches.
Interessant wird es, wenn der Wunsch nach Veränderungen in der Kirche theologisch begründet wird, z.B. die Abschaffung oder weitestgehende Einebnung der hierarchischen Verfasstheit des Gottesvolkes unter Berufung auf den sog. „Geist des Konzils“ oder auf das Urchristentum, in welchem es angeblich keine Hierarchien gab. Für letzteres habe ich Verständnis, auch wenn die Behauptung unzutreffend ist. Es ist der Wunsch nach einer neuen Einfachheit, der Wunsch zurück in ein gutes „Früher“ , in dem alles besser und reiner war, weil man damals "natürlich" die reine Lehre gelebt hat, und näher am „Ursprung“ war. Wunschdenken. Der Baum hat keine äußerliche Ähnlichkeit mit dem Samenkorn, aus dem er erwachsen ist. Aber der Baum enthält alles was an Anlagen bereits im Samenkorn grundgelegt wurde. Die Kirche, die sich im Laufe der Jahrhunderte entfaltet hat, unter dem Beistand des ihr von Jesus versprochenen heiligen Geistes, hat sich zu ihrer heutigen Gestalt entwickelt. Es ist wichtig, dass sie dem säkularen Anpassungsdruck widersteht, sonst haben zukünftige Generationen keine Chance mehr sie in ihrer in Jahrhunderten gewachsenen Gestalt und Verkündigung kennenzulernen. Eine Umwandlung der Kirche in eine parlamentarischen Demokratie ist mit ihrer Sendung nicht zu vereinbaren, die Vorstellung, wir heute lebenden Menschen wüssten am besten wie die Kirche auszusehen hat, ist anmaßend. Die Orientierung an einer kirchlichen Autorität bewahrt uns vor dem Absinken in die Mittelmäßigkeit, und Gehorsam hat eine tiefe spirituelle Dimension, die mit Katzbuckelei und Kadavergehorsam nichts zu tun hat. Die politische „Aufladung“ innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland hat keine guten Früchte hervorgebracht. Wenn ich mir die Forderungen durchlese, die von reformorientierten Katholiken vorgebracht werden, kann ich bei einigen Forderungen einfach nur mit dem Kopf schütteln, denn es ist zu einem großen Teil eine Agenda, die dem profanen Alltag des gesellschaftlichen Lebens entnommen wurde. Keine Spur zum Thema Glaubensverlust in der Gesellschaft, sondern eher Flucht in einen seltsamen Reformaktivismus, der die Kirchenbänke wieder füllen soll aber nicht wird. Katholische Tradition steht unter Generalverdacht, wer die lateinische Liturgiesprache schätzt, oder - Gott behüte! - die Messe im außerordentlichen Ritus zu würdigen weiss, macht sich Verdächtig. Statt alte Liturgie - und Gebetsschätze wieder neu zu beleben, und sich aktiv mit den auch philosophischen Grundlagen des katholischen Glaubens vertraut zu machen, wird gefordert, das der Mensch mehr in den Mittelpunkt gerückt werden soll. Der Mensch? Nicht Christus??
Wo ist der Sinn für die Tradition, für das immer Wahre, Gute und Schöne? Am schlimmsten aber finde ich es, dass man schnell in eine rechtskonservative Ecke geschoben wird wenn man sich als romtreuer, und mit der Lehre der Kirche übereinstimmender Katholik "outet" - denn das wird gemeinhin nicht sehr geschätzt. Die Tatsache, dass innerhalb der katholischen Basis eine bestimmte Einstellung vorherrschend ist, und Abweichungen davon als konservativ oder gar reaktionär gebrandmarkt werden, kann schnell zu einer Radikalisierung führen, wie man anhand der Piusbruderschaft sehen konnte. Lässt man diesen Menschen mit ihren zum Teil auch berechtigten Anliegen keinen Raum mehr in der Kirche, kapseln sie sich immer mehr ein. So eine Entwicklung kann und darf uns nicht gleichgültig sein.
Wo ist der Sinn für die Tradition, für das immer Wahre, Gute und Schöne? Am schlimmsten aber finde ich es, dass man schnell in eine rechtskonservative Ecke geschoben wird wenn man sich als romtreuer, und mit der Lehre der Kirche übereinstimmender Katholik "outet" - denn das wird gemeinhin nicht sehr geschätzt. Die Tatsache, dass innerhalb der katholischen Basis eine bestimmte Einstellung vorherrschend ist, und Abweichungen davon als konservativ oder gar reaktionär gebrandmarkt werden, kann schnell zu einer Radikalisierung führen, wie man anhand der Piusbruderschaft sehen konnte. Lässt man diesen Menschen mit ihren zum Teil auch berechtigten Anliegen keinen Raum mehr in der Kirche, kapseln sie sich immer mehr ein. So eine Entwicklung kann und darf uns nicht gleichgültig sein.
Freitag, 25. November 2011
Was ich noch sagen wollte...
Durch Zufall bin ich auf die Kontroverse gestoßen, die das papstkritische Lied "Mensch Benedikt" von Clemens Bittlinger in der Blogoszene ausgelöst hat. Ich habe mir den Text durchgelesen und kann nur sagen: So what? Das Lied ist plakativ und tendentiös, dem geneigten Hörer bietet es die üblichen Papstvorurteile im handlichen Songwriterformat. Es bietet vier zeitgeistkompatible und leichtverdauliche Standpunkte an, die dem Bedürfnis nach schneller Orientierung entgegenkommen. So weit - so schlecht, aber offen gesagt fällt es mir schwer die Empörung, die viele Leute über dieses Lied empfinden, nachzuvollziehen. Mir scheint, dass gibt der Anlass nicht her. Pfarrer Billinger ist eben ein typischer Repräsentant eines gefälligen Christentums, das möglichst niedrigschwellig daher kommen möchte, und in unserem nonkonformistischen Papst ein ideales Kritikobjekt hat, um sich zu profilieren. Ich habe, ehrlich gesagt, schon schlimmeres oder absurderes über unseren Papst gehört, wie wäre es damit: Eine junge Praktikantin, die für einige Wochen bei mir auf Station gearbeitet hat erzählte mir, dass sie niemals katholisch werden würde. Ich fragte sie weshalb, und ihre Antwort lautete: Weil in der katholischen Kirche zum Papst gebetet wird"... Das ist krass!!!
Montag, 21. November 2011
Liebeserklärung
Kürzlich kam ein Buch heraus mit dem Titel: "Liebeserklärung an die Kirche"
Hier ist meine:
Hurra ich bin Katholisch! Ja Sie haben richtig gehört, es ist schön katholisch zu sein, dieser von Christus selbst gestifteten Kirche anzugehören. Mir wird ganz schwindelig vor Glück wenn ich daran denke, welche Gnade der dreieinige Gott mir damit erwiesen hat. Womit habe ich das eigentlich verdient? Natürlich habe ich es nicht verdient, es ist unverdiente und ungeschuldete Gnade. Ich habe mich in diese Kirche verliebt, die die Verfolgungen in den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens überstanden hat, in deren Reihe Heilige und Sünder einen Platz haben, die die ersten Universitäten gegründet hat, deren Mönche die Weisheiten der Antike aufbewahrt haben, und nach Kräften mithalfen, unwirtliche Landstriche urbar zu machen. Ja, viel von dem was für uns Heutige selbstverständlich erscheint, ist auf dem Boden der vielgeschmähten Kirche erwachsen, und schon allein dafür gebührt ihr Dankbarkeit. Ich bin voller Bewunderung dafür, dass diese Kirche allen Anfechtungen zum trotz auch heute noch Bestand hat, für mich fast schon ein Gottesbeweis, hat doch Jesus Christus deutlich gemacht, dass die Pforten der Hölle diese Kirche niemals überwinden werden, solange sie im Zeichen des Petrus vereint ist. Diese Kirche ist voller Weisheit, sie allein hat eine realistische Einschätzung von dem, was der Mensch ist. Sie allein vermag die Höhen und Tiefen dessen, wozu der Mensch fähig ist, zu ermessen - Heilige und Sünder, und das Sakrament der Versöhnung. Die Heiligen waren und sind nicht deshalb heilig, weil sie frei von Sünden waren oder sind, sondern weil sie trotz ihrer geschwächten Natur in besonderer Weise die Nachfolge Christi vorgelebt haben, weil durch ihr Wirken die Gnade Gottes in besonderer Weise zum Ausdruck kam. Wenn wir uns nicht über unsere Natur erheben, können auch wir der göttlichen Gnade teilhaftig werden, im Großen wie im Kleinen, denn wir alle sind, wie der Papst gesagt hat, zur Heiligkeit berufen. Gibt es etwas in dieser Welt, dass eine noch höhere Meinung vom Menschen hat als die katholische Kirche? Wenn ich mich heute betrachte kann ich sagen, dass ich ein schwacher und sündiger Mensch bin, der seine Abgründigkeiten hat und oft genug das Gute meidet und das Schlechte tut. Diese Selbsteinschätzung im Lichte des Glaubens der Kirche ist aber keineswegs Ausdruck von Selbstverachtung - oder gar Selbsthass, denn ich habe mich lieb und weiss mich als ein von Gott gewolltes und geliebtes Wesen. In den Untiefen meines gefallenen Menschseins begegnet mir Jesus Christus, der menschgewordene Gott, der die Erniedrigung des Menschseins auf sich nahm und uns bis zu seinem Kreuzestod geliebt hat - so sehr, dass er im Zeichen dieser Liebe den Tod überwand und nach drei Tagen auferstanden ist. Christus - gestorben für unsere Sünden. "Wo die Sünde groß geworden ist, wurde die Gnade übergroß", so heißt es im Römerbrief - für mich wie ein frohes Erwachen aus einem schlechten Traum.
Aber ich schweife ab, ich wollte doch eine Liebeserklärung an meine Kirche schreiben, aber mir wird klar, dass ich zum Wesentlichen abschweife, wenn ich mit eigenen Worten wiedergebe, was Generationen von Theologen sorgfältig und theologisch verantwortbar ausformuliert haben, nämlich das Zentrale Mysterium des christlichen Glaubens: Tod und Auferstehung Christi. Ich bin meiner Kirche dankbar dafür, dass sie durch die Jahrtausende hinweg für diesen Glauben gestritten hat und damit ihrer Sendung treu geblieben ist. Wäre sie untreu gewesen und z.B. dem Arianismus verfallen oder den Vielen anderen Häresien, wäre ich heute nicht imstande den authentischen Glauben der Kirche kennenzulernen.
Ich bin auch dankbar dafür, dass in der Kirche die ganze Fülle dessen bewahrt wurde, was die christliche Glaubenstradition ausmacht. Nie habe ich mich von ihren Dogmen eingeengt gefühlt, nie von lehramtlichen Verlautbarungen bevormundet. Diese Kirche stellt meine Art zu Leben infrage, und ist häufig ein offener Widerspruch, an dem ich mich abarbeiten muss. Sie stellt für mich ein wichtiges Korrektiv dar, an dem ich Wachsen kann und möchte. Auch wenn es mir oft schwerfällt: Ich zeige nicht mit dem Finger auf die Kirche der ich angehöre, mit der Forderung, sie möge ihre Ansichten bitte der heutigen Zeit anpassen, damit ich weniger stark im Gegensatz zu dem lebe, was ihr als das Richtige erscheint. Das wäre nicht aufrichtig.
Mutter Theresa hatte schon recht, als sie die Frage was sich in der Kirche ändern müsse, so beantwortete: "Sie und Ich".
Samstag, 19. November 2011
Aus der Rede des Papstes im deutschen Bundestag
"Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit."
In diesem Sinne könnte man das Christentum vielleicht auch als eine etwas andere ökologische Bewegung betrachten, nämlich eine die versucht, auch die Ökologie der menschlichen Natur wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wer von der Wahrung der Schöpfung spricht meint die gesamte Umwelt, aber nicht sich selbst, weil man ja das handelnde Subjekt ist, dass beginnt seine Umwelt zu schützen, wenn vielleicht auch nur, um den Fortbestand der menschlichen Spezies zu sichern. Umwelt erscheint immer als etwas außerhalb von uns stehendes, in das wir nicht mehr eingebettet sind, etwas von dem wir uns emanzipiert haben. Der Papst erinnert daran, dass wir Teil der Schöpfung sind, und dass die Verwüstung der Schöpfung nicht vor der Natur des Menschen, der ja Teil der Schöpfung ist, haltgemacht hat.
Zur Natur des Menschen gehört als homo religiosus auch der Glaube an Gott, weil hier im Gottesbezug die wahre Würde des Menschen begründet liegt, die heilige Schrift spricht von der Gottesebenbildlichkeit.
Aber was ist für uns gewonnen, wenn der Gottesbezug mehr und mehr verloren geht? Es ist für den Fortbestand der Menschheit ebenso wichtig, sich um die Ökologie der eigenen Natur zu sorgen, wie um die Gesamtökologie unseres Heimatplaneten. Hier hat unser Papst wieder einmal die katholische Weite des Denkens demonstriert. Bravo!
In diesem Sinne könnte man das Christentum vielleicht auch als eine etwas andere ökologische Bewegung betrachten, nämlich eine die versucht, auch die Ökologie der menschlichen Natur wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wer von der Wahrung der Schöpfung spricht meint die gesamte Umwelt, aber nicht sich selbst, weil man ja das handelnde Subjekt ist, dass beginnt seine Umwelt zu schützen, wenn vielleicht auch nur, um den Fortbestand der menschlichen Spezies zu sichern. Umwelt erscheint immer als etwas außerhalb von uns stehendes, in das wir nicht mehr eingebettet sind, etwas von dem wir uns emanzipiert haben. Der Papst erinnert daran, dass wir Teil der Schöpfung sind, und dass die Verwüstung der Schöpfung nicht vor der Natur des Menschen, der ja Teil der Schöpfung ist, haltgemacht hat.
Zur Natur des Menschen gehört als homo religiosus auch der Glaube an Gott, weil hier im Gottesbezug die wahre Würde des Menschen begründet liegt, die heilige Schrift spricht von der Gottesebenbildlichkeit.
Aber was ist für uns gewonnen, wenn der Gottesbezug mehr und mehr verloren geht? Es ist für den Fortbestand der Menschheit ebenso wichtig, sich um die Ökologie der eigenen Natur zu sorgen, wie um die Gesamtökologie unseres Heimatplaneten. Hier hat unser Papst wieder einmal die katholische Weite des Denkens demonstriert. Bravo!
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