Samstag, 9. Februar 2013

Abendmusik


Gedanken zu einem schwierigen Thema

Seit dem hochgepushten Skandal um die beiden Kölner Kliniken in katholischer Trägerschaft ist das Thema Abtreibung wieder sehr präsent in meinem Denken, denn mir fällt eine klare Positionierung noch immer nicht leicht. Man könnte sagen - auch wenn das etwas pathetisch klingt - ich ringe noch mit mir um Klarheit. Insofern dient dieser Post auch meiner eigenen Meinungsfindung, was vielleicht etwas ungewöhnlich erscheint, da man sich normalerweise immer mit einer klaren Aussage der Öffentlichkeit präsentiert. Da es hier aber um Betrachtungen eines Konvertiten geht, mache ich es eben anders, ich lasse den geneigten Leser an meinen Gedanken und Betrachtungen teilhaben und hoffe auf interessante und vielleicht sogar hilfreiche Meinungsäußerungen. Was mich immer wieder erstaunt, eigentlich sogar unbehaglich fühlen lässt, ist die Sicherheit, mit der Abtreibungsbefürworter für die Freiheit der Wahl plädieren. Wenn das Leben der Mutter auf dem Spiel steht - wenn also Leben gegen Leben steht, halte ich eine Abtreibung für legitim, denn es ist nicht einsichtig, warum das Leben der Mutter weniger gelten soll, als das Leben des Ungeborenen. Ein schreckliches Dilemma. Im Falle einer Vergewaltigung habe ich ebenfalls Verständnis für den Wunsch nach Wahlfreiheit, denn die Vorstellung, dass man durch eine so traumatische Gewalteinwirkung schwanger wird, und die Folgen eines solchen Verbrechens dann die nächsten neun Monate am eigenen Leibe spürt, ist für mich erschreckend. Es sind wohl Vorstellungen wie diese, welche die Empörung so groß hat werden lassen in Köln und anderswo, weil hier die Vorstellung mitschwingt, man wollte einer so Geschädigten auch noch vorschreiben, das Kind auszutragen, bzw. jegliche Hilfe verweigern,  auch wenn beides erwiesenermaßen nicht der Fall war.
Für einen Gesinnungsethiker, der also aus Prinzip gegen Abtreibung ist, und dies auch noch öffentlich bekundet, stellt das Leben schwere Prüfungen bereit, denn es ist schlechterdings kaum möglich aus Gründen der Menschlichkeit gegen Abtreibung zu sein, ohne gleichzeitig als kalt, engherzig, heuchlerisch und grausam wahrgenommen zu werden, weil man ja die Not der betroffenen Frau scheinbar als unwichtig ignoriert - zugunsten der Moral.. Ja, so wird die Haltung eines konsequenten Abtreibungsgegners wahrgenommen, und wenn er noch so oft beteuert, dass man der Betroffenen jede nur denkbare Hilfe zukommen lassen muss. Kommt hier die alte Binsenweisheit neu zum Vorschein, dass ein Prinzip, so es denn zu 100% durchgehalten werden soll, sich irgendwann ins Absurde verkehrt? Vielleicht, jedenfalls haben Abtreibungsgegner bzw. Lebensschützer (die neben Abtreibung auch noch andere Themen aufgreifen) in Deutschland und anderswo einen traumhaft schlechten Ruf - allerdings zu Unrecht wie ich meine, denn die Frage nach dem Leben erlaubt keine Schnellschüsse. Ich gehöre nicht zu der "Abtreibung ist Mord" - Fraktion, ich verteile auch keine Embyonenpuppen in der Fußgängerzone, aber neben den von mir genannten Beispielen, wo das Situationsdilemma jedes erträgliche Maß übersteigt, gibt es immer noch weit über 100000 Abtreibungen jedes Jahr, mit sogenannter sozialer Indikation, und wie gesagt, mir ist unwohl zumute, wenn mit zu großer Selbstverständlichkeit auf ein Recht auf Wahlfreiheit insistiert wird. Ein grundlegender Gedanke hierzu lautet, dass der Mensch seinem Gewissen verpflichtet ist, und dass man ihm nicht zwingen darf, gegen sein Gewissen zu handeln. Das das ein katholischer Grundsatz ist, werden mir viele Leser sicher nicht glauben - stimmt aber trotzdem. Können sich also die Pro Choice - Anhänger, wenn sie auf Wahlfreiheit bestehen, nicht auf ihr Gewissen berufen? Ja, können sie, aber ein weiterer Grundsatz lautet, dass das Gewissen auch irren kann, und das eine Gewissensentscheidung nicht automatisch die richtige Entscheidung sein muss, was z.B. dann der Fall sein kann, wenn wichtige Informationen zur Entscheidungsfindung nicht bekannt sind. Und so komme ich wie immer bei all diesen Überlegungen zu derselben Grundsatzfrage, die allen weiterführenden Erörterungen vorangestellt werden muss: Was ist die befruchtete Eizelle, ein Dings, ein Etwas auf dem Weg zu einem Jemand, oder bereits ein Mensch, eine Person? Es ist wohl anzunehmen, dass gegensätzliche Auffassungen über die ethische Beurteilung von Abtreibungen ihren Ursprung zumeist in der unterschiedlichen Beantwortung dieser Frage haben. Da wäre zunächst einmal das "visuelle Problem", dass darin besteht, dass eine Zygote keinerlei Ähnlichkeit mit dem hat, was gemeinhin als Mensch bezeichnet wird, menschliches Genom hin oder her, der Phänotyp zeigt nicht viel menschenähnliches, und was nicht aussieht wie ein Mensch, kann auch noch kein Mensch sein - oder? Möglicherweise ist die Unähnlichkeit einer befruchteten Eizelle mit einem ausgereiften Fötus ein Grund warum die meisten Leute mit Befremden reagieren, wenn bei der Tötung einer Zygote seitens der Kirche von unschuldigem Leben gesprochen wird, dass es zu schützen gilt. Wieviel, fragen sich viele, weiss den der Embryo von dem Angriff auf sein Leben? Ich denke, dass für Viele mit der Verschmelzung von Spermium und Eizelle noch kein neuer Mensch die Bühne betritt, sondern ein Programm gestartet wird, dass einen Ausdifferenzierungsprozess initiiert, der einen Organismus mit zunehmender Komplexität heranreifen lässt, bis dann am Ende ein neuer Mensch entstanden ist, so dass die Würde eines solchen Organismus gewissermaßen sukzessive wächst, parallel zu dessen Reifegrad. Kann Würde heranwachsen? Ich glaube nicht, aber dennoch spiegelt sich das  in der sogenannten Fristenlösung des § 218 wieder. Im Grunde erscheint mir die sukzessive Zunahme an Würde und Menschenrechten eines Ungeborenen als absurd und erinnert an die alte katholische Lehre von der Sukzessivbeseelung, also der stufenweisen Beseelung der Leibesfrucht, die aber laut Wikipediaartikel 1679 zugunsten der Vorstellung einer Simultanbeseelung aufgegeben wurde. Und genau diese Simultanbeseelung scheint der Grund dafür zu sein, warum nach Auffassung der katholischen Kirche schon einem gerade entstandenen Embryo - auch schon vor der Nidation - die volle menschliche Würde, und somit ein unbedingtes Lebensrecht zukommt, Simultanbeseelung heißt, dass bereits nach der Verschmelzung von Spermium und Eizelle, die unsterbliche Seele dem Embryo innewohnt, ohne erst zu "wachsen" oder gar "heranzureifen", was auch keinen Sinn ergeben würde, da die Seele Geist ist, und Geist nicht den Bedingungen der materiellen Welt unterworfen ist. Unterschiedliche Grade der Reifung und Ausdifferenzierung der Leibesfrucht spielen hier also keine Rolle. Das Problem mit der Vorstellung, es handelt sich erst ab einem bestimmten Zeitpunkt um einen Menschen - mögliche Zeitpunkte wären z.B nach der Einnistung der Zygote, ab dem dritten Schwangeschaftsmonat, nach vollzogener Geburt, nach dem Spracherwerb, nach Erlangung eines Ichbewusstseins, nach dem Zahnwechsel ( gibt es wirklich! ), oder nach Vollendung der Volljährigkeit - besteht darin, dass jeder festgesetzte Zeitpunkt der "Menschwerdung" willkürlich erscheint, da er lediglich mehr oder weniger gut ( oder schlecht ) begründet werden kann. Wann ist ein Mensch ein Mensch? Im Grunde kann man vernünftigerweise nur sagen, dass der einzige wirklich objektiv begründbare Zeitpunkt der Entstehung eines neuen Menschen die Verschmelzung von Spermium und Eizelle ist. Menschliches Leben ist prozesshaft von den ersten Anfängen bis zum Tod, und es scheint gerade diese ungebrochene Kontinuität zu sein, die gegen die Annahme spricht, dass erst ab einem bestimmten Punkt der Entwicklung von einem Menschen gesprochen werden kann. Hier ist es tatsächlich die katholische Kirche die mit Vernunft argumentiert, wenn sie von der vollen, menschlichen Würde eines Embyos spricht. Teilt man diese Auffassung kann man eigentlich nur noch mit Rousseau sagen, dass die Freiheit des Menschen dort aufhört, wo die unseres Nächsten beginnt - was dann eine Abtreibung ausschließt. Aus diesen Gründen finde ich Demonstrationen gegen Abtreibung und für das Leben legitim und keineswegs verachtenswert, und die Aktionen vieler Gegendemonstranten, die auch vor Beleidigungen und physischen Übergriffen nicht zurückschrecken, heuchlerisch.
(Wird fortgesetzt)



Freitag, 8. Februar 2013

Kardinal Meisner und die "Pille danach"

In der FAZ las ich heute folgenden Rundbrief, den Erzbischof Joachim Kardinal Meisner an seine Mitarbeiter im pastoralen Dienst geschrieben hat. Hier spricht er von der Anwendung moraltheologischer Prinzipien auf eine neue Situation, die für ihn darin besteht, dass es unter dem Oberbegriff "Pille danach" jetzt viele Medikamente gäbe, die keine abtreibende Wirkung haben. Offenbar ist Kardinal Meisner viel daran gelegen deutlich zu machen, dass er keineswegs den Boden der katholischen Lehre verlassen hat, dies vielleicht umso mehr, als das er sich scheinbar nicht mit anderen Brüdern im Bischofsamt über diese Frage beraten hat.
Laut einem anderen Artikel in der 'FAZ, nimmt Kardinal Meisner eine mögliche, wenn auch z. Zt. wissenschaftlich unbewiesene, nidationshemmende Wirkung einer "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel offenbar in Kauf. Vermutlich weil die nicht ganz und gar auszuschließende, nidationshemmende, und somit abtreibende Nebenwirkung eben nicht die Erwünschte Primärwirkung ist, sondern die nicht beabsichtigte Nebenwirkung einer für notwendig erachteten Vorgehensweise. Entscheidend wäre dann die Absicht, in der dieses Medikament eingenommen wird. Moraltheologisch handelt es sich hier, wenn ich mich nicht sehr irre, um das Prinzip der doppelten Wirkung: Die Vermeidung einer unfreiwilligen Schwangerschaft infolge einer traumatischen Gewalteinwirkung durch Einnahme eines empfängnisverhütenden Mittels, aber unter Inkaufnahme einer möglichen, wenn auf unbewiesenen, abtreibenden Wirkung, die aber nicht von der betroffenen Frau erwünscht sein mag, denn es ist nicht auszuschließen, dass es auch in so einer Situation nicht vielleicht dennoch einen Unterschied für die betroffene Frau macht, ob die Eizelle bereits befruchtet ist oder nicht. Man kann von dem verständlichen Wunsch in so einer Situation eine Befruchtung zu verhindern, nicht einfach auf die Bereitschaft zu einer Abtreibung schließen. Eine Gewissensentscheidung, eine Gradwanderung. Ich kann die Position von Kardinal Meisner nachvollziehen, werde aber das Gefühl nicht los, dass er sich hier auf dünnes Eis begeben hat. Ich bin gespannt, wie es jetzt weitergeht.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Hinweis

Auf Josef Bordats Internetpräsentation entdeckte ich kürzlich einen Link zu dieser Petition, die von ihm selbst verfasst wurde. Grob gesagt geht es um die zunehmenden staatlichen Repressionen  gegen Katholiken in der sozialistischen Republik Vietnam.  Zahlreiches Mitmachen bei der Petition ist wie immer sehr erwünscht.

Sonntag, 3. Februar 2013

Pogromstimmung?

In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt", spricht der Präfekt der römischen Glaubenskongregation Erzbischof Gerhard Ludwig Müller von einer wachsenden, künstlich erzeugten Wut gegen die katholische Kirche in den USA und Europa, die gelegentlich an eine Pogromstimmung erinnern würde. Was ist jetzt davon zu halten? Interessant finde ich zunächst einmal die Reaktionen, z.B. von S - L - Schnarrenberger (FDP), unserer Bundesjustizministerin, die Vergleiche mit dem Holocaust geschmacklos findet, wenn es um "unterschiedliche Auffassungen in unserer Gesellschaft zu aktuellen Fragen wie auch der Rolle der Ehe, Familie und eingetragenen Lebenspartnerschaften geht". Meiner Ansicht nach eine Überreaktion der Ministerin, denn zunächst kommt der Begriff Holocaust in dem Interview überhaupt nicht vor, und des weiteren sind die Begriffe "Holocaust" und "Pogrom" nicht deckungsgleich, etwa in dem Sinne, dass der Holocaust ein ins aberwitzige potenziertes Pogrom gewesen ist. Darüber hinaus kam es in der Vergangenheit nicht nur gegenüber der jüdischen Bevölkerung zu Pogromen, sondern auch gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen, wie z.B. den Sinti und Roma, oder den Armeniern in der Türkei und in anderen Ländern. Hier handelt es sich um eine Fehlinterpretation Frau Leutheusser - Schnarrenbergers, da es für mich nicht so klingt, als wollte Erzbischof Müller die Situation der Kirche heute, mit jener der Juden im dritten Reich gleichstellen.
Eine weitere Reaktion, diesmal von Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, die die These des "Chefideologen des Vatikans" von einer Pogromstimmung gegenüber der katholischen Kirche für "absolut inakzeptabel und gefährlich geschichtsvergessen" hält. Um es vorweg zu nehmen: ich finde die Wortwahl des Erzbischofs auch unglücklich gewählt, habe aber Verständnis für selbige, denn ich weiß wieviel Hass und auch Hetze es gegen die Kirche gibt. Viele Blogs und Kommentarbereiche geben darüber reichlich Aufschluss, so dass man tatsächlich denken könnte, dass manchmal nur noch ein Tropfen fehlt, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Aber was sich virtuell ungehemmt Bahn bricht, muss deswegen noch lange nicht zu einer konkreten Aktion werden. Vom Wohnzimmer aus lässt es sich leichter hassen, und eine Gefahr für Leib und leben durch einen ungebremsten Mob, sehe ich weder in den vereinigten Staaten, noch in Europa.
Wie gesagt, Erzbischof Müllers Wortwahl ist meiner Ansicht nach unglücklich, zeigt aber deutlich in Richtung der immer schwerer werdenden Situation von Christen in aller Welt. Was nun Claudia Roth und ihre Kritik an Erzbischof Müller betrifft, so halte ich sie für reflexhaft und unüberlegt. Ihre Kritik macht deutlich, dass Frau Roth der Kirche am liebsten einen Maulkob umlegen würde, bzw jeden Katholiken "mittelalterliche Ambitionen" unterstellt, der sich zum ganzen katholischen Glauben bekennt. Besonders ärgerlich finde ich, dass sie eine Verbindung mit dem Fall der beiden  Kölner Kliniken in katholischer Trägerschaft herbeikonstruiert, die eine mutmaßlich vergewaltigte Frau abgewiesen haben sollen, demnach findet sie: "Vorfälle wie die eiskalte Abweisung einer vergewaltigten Frau durch eine katholische Klinik nicht erstaunlich". Hier zeigt Frau Roth, für die modern offenbar ein Synonym für gut ist, ihre ganze Ignoranz, wenn sie aus einer offenbar unklar formulierten ethischen Richtlinie, und zwei verunsicherten Ärzten einen Fall eiskalter Ablehnung macht, und damit jede Kritik am Verhalten gegenüber der Kirche für gegenstandslos erklärt, denn: "Wenn die katholische Kirche so auftreten soll, wie es sich Erzbischof Müller wünscht, braucht sie sich über scharfe Kritik in demokratischen Gesellschaften von heute nicht zu wundern". Claudia Roth scheint nicht zu bergreifen, dass Erzbischof Müller nicht sachliche Kritik an der Kirche meint, wenn er von pogromartiger Stimmung gegen die Kirche spricht. Ich habe manchmal den Eindruck, dass diese Frau einfach nicht bereit ist richtig zuzuhören, und zu verstehen, wenn sich ein katholischer Würdenträger zu Wort meldet.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Ewige Verdammnis?

Mir scheint das Problem der Annahme der Existenz der Hölle darin zu bestehen, dass man die Liebe Gottes immer mit der Freiheit des Menschen zusammen betrachten muß. Hätten wir nicht die Freiheit, nein zu Gott zu sagen, wären wir nicht frei, und die Annahme Gottes wäre ein moralischer Imperativ von zwingender Notwendigkeit. Das ist aber nicht das Ja, dass sich Gott von uns wünscht, worin wir ein weiters Stück von der Weisheit und Güte Gottes erahnen können, die uns ja doch meistens verborgen bleibt. Somit ist Gottes Liebe nicht bedingungslos, sondern an unser in Freiheit gesprochenes Ja zu Ihm geknüpft. Somit hat auch unser Nein eine Konsequenz, aber, wer sagt schon im vollen Bewußtsein wirklich Nein zu Gott, und ist religiöse Indifferenz oder Desinteresse bereits ein Nein? Dennoch, hier geht es nicht um eine Kosten – Nutzen Rechnung sondern um Wahrheit, denn niemand möchte an eine Illusion glauben, und auch ein Ja zu Gott mag in die Irre führen, wenn man Gutes nur tut, um in den Himmel zu kommen, denn dieses wäre, wie Kant schon richtig angemerkt hat, moralisch fragwürdig. Christlicher Glaube ist immer die Ausrichtung an das Ideal des Guten um des Guten willen, und das Ideal ist begründet in der unveräußerlichen Würde jeder menschlichen Person, die sich wiederrum von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen ableitet. Wir vertrauen darauf, dass das Gute das wir tun, dereinst vielfach zurückgegeben wird, aber wir fordern es nicht ein, und wir tun es ohne absolute Gewissheit, sondern im Vertrauen auf die überlieferten Worte unseres Herrn Jesus Christus, oder in der "relativen Glaubensgewissheit subjektiver Gotteserlebnisse". Ich weiss, in unserer Welt kommt die "reine Motivlage" vielleicht nur selten vor, menschliches Handeln unterliegt wohl meistens einem Geflecht unterschiedlichster Ursachen und Absichten, aber das Entscheidene ist das auf dem Weg sein, der Wunsch, der Versuch in der Nachfolge des Herrn recht zu handeln und zu denken, es geht nicht darum, es hier zur absoluten Perfektion zu bringen, dies wäre auch nicht die Definition des Heiligen.
Es bleibt schwierig, denn mit der notwendigen Freiheit einher geht oft genug ein Gefühl völliger Gottverlassenheit, das auch für mich oft schwer auszuhalten ist. Es sind diese Momente des Zweifels, die mich jedem Atheisten mit Respekt begegnen lassen, denn der Zweifel öffnet Räume der Begegnung, und an die Möglichkeit der ewigen Verdammnis glaube ich nicht, weil ich ein unverbesserlicher Moralist bin, sondern weil Jesus selbst davon gesprochen hat. Das Evangelium anzunehmen bedeutet eben auch, die mir nicht genehmen Stellen anzunehmen. Alles andere wäre doch nur Stückwerk.

Samstag, 27. Oktober 2012

Samstag, 20. Oktober 2012

Ein Jahr "Meine Sicht der Dinge"

Fast hätte ich es vergessen:
Seit einem Jahr bin ich jetzt in der Kathbloggerszene aktiv. Letztes Jahr Oktober habe ich angefangen. Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht. Eigentlich war die Entscheidung, eigene Überlegungen zu vertexten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen nicht von mir geplant gewesen, sondern entsprang einem unmittelbaren Impuls, es geschah spontan, denn es gab einfach viele Gedanken, die ich mir aus dem Kopf schreiben wollte, weil mich als Konvertit vieles beschäftigt hat, bzw. immer noch beschäftigt, was in meiner Kirche und in mir selber vorgeht. Da ich in vielem auch kritisch auf die Kirche blicke, musste ich immer auch aufpassen, dass mein Blog nicht zu einem Frustableiter wird, was mir aber nicht immer im vollen Umfang gelungen ist, fürchte ich. Mein Wunsch konstruktiv, wenn auch in einem extrem bescheidenen Maße, am Wirken meiner Kirche teilzunehmen, ist nach wie vor vorhanden, und soll mich auch zukünftig leiten. Ein Dankeschön an alle, die sich gelegentlich hierher verirren, und ein besonderes Dankeschön an jene, die hier Kommentare hinterlassen.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Gedanken zur Piusbruderschaft

Natürlich steht das Selbstverständnis der FSSPX als Hüterin der ganzen Tradition der Kirche z.B. gegen eine Ökume wie sie heute für richtig gehalten wird. Das alleine dürfte schon vielen, die wie selbstverständlich Abendmahl der evangelischen Christen und Eucharistieverständnis der katholischen Kirche in einen Topf werfen, ein Dorn im Auge sein. Den kürzlich erfolgten Aufruf zur "Wiedervereinigung" zwischen den beiden großen Konfessionen, "Ökumene jetzt - Ein Gott, ein Glaube, eine Kirche", würde dort wohl niemand unterschreiben. In Fragen der Kirchenlehre kann man nicht einfach den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen, weil es eben um Wahrheit geht, nicht um Meinungen. Hier kann jedes Detail wichtig sein. Für die Piusbruderschaft, und übrigens auch für jeden Katholiken (theoretisch) gibt es nur eine von Christus gestiftete Kirche, nur eine, die sich in ununterbrochener Folge bis zum heutigen Tag auf Christus unseren Herrn berufen kann. Soll man jetzt also sagen, dass die eine wahre Kirche Christi Abstriche machen soll, um den abgespaltenen Gemeinschaften entgegenzukommen? Hat die Kirche überhaupt ein Recht dazu, wenn sie ihrer Sendung treu bleiben will? Das Unwahrhaftige ist meines erachtens, dass viele Christen beider Bekenntnisse sich so verhalten, dass sie mit den Füßen abstimmen, und glauben so für vollendete Tatsachen sorgen zu können. Nach dem Motto: Mehrheit = Wahrheit. So funktioniert das aber nicht, denn die Kirche ist keine parlamentarische Demokratie, in der wir einfach darüber abstimmen, wie es weitergehen soll. Ich habe weiter unten über diesen Ökumene jetzt - Aufruf geschrieben, dass es nach menschlichen Ermessen nicht möglich ist, den zerbrochenen Spiegel wieder heil zu machen, das vermag nur der Herr der Geschichte, denn aus katholischer Sicht gibt es nur einen Weg, die Trennung zu überwinden: Die Rückkehr aller schismatischen Gemeinschaften in die katholische Kirche, auch wenn man  auf soviel Einsicht wie hier, gemeinhin nicht zählen kann. Die Piusbruderschaft weiß das und wird niemals solange sie besteht, von dieser Haltung abrücken, genau das macht sie inakzeptabel für viele Katholiken, obwohl die Piusbruderschaft hier im Grunde sehr ehrlich ist. Allerdings ist eine reine Rückkehrökumene natürlich keine Lösungsoption - weil extrem unwahrscheinlich. Was nun? Niemand gibt es gerne zu, aber die Unterschiede in der Sakramentenlehre und dem Kirchenverständnis zwischen der Kirche und den reformierten Gemeinschaften sind unüberwindbar, wenn nicht einer von beiden sich selbst verleugnet. Wer anderes behauptet, betreibt meines erachtens Augenwischerei. Die Einsicht in die Aussichtslosigkeit heutiger ökumenischer Bemühungen soll jedoch keineswegs Resignation bedeuten. Mein Vater z.B. meint, dass es doch eigentlich egal ist, es gibt halt Katholiken und Protestanten - na und? Ich sehe das nicht so, mir geht es um Ehrlichkeit, um die Einsicht, dass wir zwar trennen konnten was zusammen gehört, die Zusammenführung aber nicht in unserer Macht steht. Es bleibt nur der mühselige, teilweise nervige und einem immer an die eigenen Grenzen bringende Weg des Gesprächs, und der damit verbundenen Übung in Geduld, Ehrlichkeit und wertschätzender Sachlichkeit auf beiden Seiten - und das gemeinsame Gebet.
Was nun die FSSPX betrifft, wird sie sich immer weiter vom Mutterschiff entfernen und somit selber Teil der ökumenischen Bestrebungen der Kirche werden, auch wenn sie natürlich fordern, dass die Kirche ihren Kurs ändern soll, da sie sich angeblich auf Abwegen befindet. Auch hier kann ich die Piusbruderschaft teilweise verstehen, denn in der nachkonziliaren Zeit gab es ja vieles, was tatsächlich einem Bruch mit bisher gewesenem  gleichkam. Aber wie unterscheidet man mit Sicherheit was ein Bruch darstellt, und was die Weiterentwicklung der bisherigen Tradition? Im liturgischen Bereich scheint das einfach zu sein, da z.B. von der Abschaffung der lateinischen Sprache nie die Rede war, aber wie steht es mit der Religionsfreiheit und dem Verhältnis von Kirche und Staat? Hier nimmt die FSSPX Standpunkte ein, die m.E. Rückständig sind und Problematisch noch dazu, denn ihnen scheint das Konzept einer Staatsreligion näher zu sein, als ein weltanschaulich neutraler Staat der allen Religionsgemeinschaften gleiche Rechte einräumt. Toleranz gegenüber anderen Religionen wäre dann ein Akt der Venunft, aber somit Toleranz die gewährt werden kann, aber nicht muß - für mich inakzeptabel. Die Ablehnung der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen unterstreicht das noch zusätzlich. Ebenso problematisch sind Äußerungen einzelner exponierter Vertreter innerhalb der Bruderschaft, die dem Begriff der Tradition meines erachtens immensen Schaden zugefügt haben. Einige Beispiele von drei Bischöfen der Bruderschaft hier, hier und hier, die sich auch noch beliebig fortsetzen ließen, und die natürlich Fragen aufwerfen: Werden solche Äußerungen unwidersprochen hingenommen, und falls ja - warum? Entsprechen solche Äußerungen der Mehrheitsmeinung? Oder gibt es eine interne Diskussion, gar offenen Widerspruch, von dem ich nur nichts weiss? Wieviel von dem, was innerhalb der FSSPX abgeht dringt überhaupt nach außen?Einstweilen bin ich nicht bereit, die gesamte Bruderschaft nach den Äußerungen Einzelner Mitglieder zu beurteilen, aber mir fehlen klare Distanzierungen, wie sich jetzt im Falle Williamson allmählich vorgenommen werden.
Die FSSPX wird sich wohl weiter von der Kirche entfernen, und sich auch weiter einkapseln. Äußerungen wie die eben verlinkten werden ihren Teil dazu beitragen, dass es schwierig bleiben wird die Piusbrüder wieder ins Boot zu holen. Interessant ist, dass offenbar innerhalb der Bruderschaft Klärungsprozesse stattfinden, in denen es wohl auch darum geht, in welche Richtung die Bruderschaft künftig gehen soll. Es scheint, dass es selbst hier noch Menschen gibt, denen die Haltung einiger ihrer Mitbrüder zu liberal ist. Für mich ein Zeichen langsam beginnender Zerfallsprozesse und zunehmender Radikalisierung, das Schicksal aller Sekten, allerdings ist es aufgrund der schlechten Datenlage schwer einschätzbar, wie diese Entwicklungen letztlich zu beurteilen sind. Ich schätze, dass es darauf hinauslaufen wird, dass sich die Bruderschaft nochmals aufspaltet, ein Teil zur Kirche zurückkehrt, und ein radikaler Rest ein Eigendasein fristen wird. Ein weiterer Splitter im zerbrochenen Spiegel.